Trotz Regen und herbstlichem Wetter zeigte Marburg am 25. Oktober 2025, wie stark unsere Stadtgesellschaft zusammenhalten kann. Unter dem Motto „Gemeinsam für ein AfD-Verbot“ haben wir, die Initiative Demokratische Zukunft Marburg, gemeinsam mit zahlreichen Unterstützer: innen ein Zeichen für eine offene, demokratische und vielfältige Stadt gesetzt.
Bereits am Vormittag konnten sich Interessierte bei 14 verschiedenen Stationen über Argumente für ein AfD-Verbot informieren, musikalischen Darbietungen lauschen, ein Impro-Theater erleben oder einfach bei einer Tasse Kaffee ins Gespräch kommen. Dieses vielfältige Vorprogramm bot Raum für Austausch, Information und Begegnung – ein echtes Fest der Zivilgesellschaft.
Am Nachmittag starteten drei Sternenmärsche vom Hauptbahnhof, vom Friedrichsplatz und vom Marktplatz, die sich schließlich alle am Erwin-Piscator-Haus trafen. An diesem zentralen Punkt erreichten wir während unserer Abschlusskundgebung in Spitzenzeiten bis zu 1.000 Teilnehmer:innen.










Starke Reden auf der Abschlusskundgebung
Auf der Bühne gab es eindrucksvolle Reden, die eindrücklich zeigten, wie breit und entschlossen unsere Stadtgesellschaft für Demokratie und gegen Hass eintritt (Alle Reden können Sie unten am Ende des Artikels herunterladen).
Jenny Pfeifer betonte als Vertreterin unserer Initiative, dass Zivilgesellschaft wirksam Demokratie schützen könne – wie das Beispiel „Nordhausen Zusammen“ zeige. Sie erinnerte daran, dass ein Parteiverbot allein nicht reiche, aber ein wichtiger Schritt sei, um rechtsextremen Normalisierungen entgegenzutreten. Die Frage, so Pfeifer, müsse lauten, ob die größere Gefahr nicht darin liege, Rechtsextremen tatenlos zuzusehen, bis sie wieder Macht erlangen.
Sareh Darsaraee, stellvertretende Vorsitzende des Ausländerbeirats, sprach in einer eindrucksvollen Metapher von einem alten, rissigen Haus, das für unsere Gesellschaft stehe. Sie beschrieb, wie Menschen mit Migrationsgeschichte täglich erleben müssten, dass andere nach Schuldigen suchen, statt gemeinsam die „Risse in den Wänden“ zu reparieren. Darsaraee machte deutlich, dass Menschen mit Migrationsgeschichte keine Gäste, sondern Miteigentümer:innen dieses Hauses seien – und dass nicht sie, sondern diejenigen gehen müssten, die die demokratischen Regeln missachteten.
Franz-Josef Hanke von der Humanistischen Union berichtete, wie er nach langem Zögern zum Befürworter eines AfD-Verbots geworden sei. Er habe erkannt, dass die AfD nicht mehr für Argumente zugänglich sei, sondern eine Gefahr für Demokratie und Menschenwürde darstelle. Hanke forderte die CDU und alle demokratischen Parteien auf, endlich einen Verbotsantrag zu stellen, und warnte davor, die AfD mit populistischen Parolen rechts überholen zu wollen. Nur ein entschiedenes Handeln könne unsere Demokratie schützen, verbunden mit sozialer Gerechtigkeit und bürgerlichem Engagement.
Unterstützt wurde die Kundgebung zudem durch Politiker:innen wie Nadine Bernshausen (Bündnis 90/Die Grünen), die betonte, dass fast alle politischen Kräfte für eine vielfältige und lebendige Demokratie stünden – nur die AfD wolle diese Ordnung abschaffen. Sie warnte, dass eine Demokratie, die ihre Feinde gewähren lasse, sich selbst in Gefahr bringe, und rief dazu auf, die im Grundgesetz vorgesehenen rechtlichen Mittel zum Schutz der Demokratie zu nutzen.
Den Abschluss bildete die Rede von Sebastian Sack (SPD), der noch einmal den Kern der Versammlung in den Mittelpunkt stellte. Er betonte, dass es an diesem Tag nicht um parteipolitische Interessen gehe, sondern um die Verteidigung des Grundgesetzes, der Demokratie und der Menschenrechte für alle Menschen. Sack machte deutlich, dass zahlreiche Äußerungen aus der AfD systematisch Menschen herabwürdigten, Gewalt verharmlosten und demokratische Prinzipien infrage stellten und dass genau deshalb die im Grundgesetz vorgesehenen Mittel einer „wehrhaften Demokratie“ angewandt werden müssten. Zugleich rief er dazu auf, die Demokratie nicht nur juristisch zu verteidigen, sondern sie im Alltag zu leben – durch Haltung, Gesprächsbereitschaft und Engagement in der Gesellschaft.

















Auch musikalisch ein buntes Programm
Musikalisch und künstlerisch war der Tag ebenso reichhaltig: Zahlreiche Musiker:innen und Kunstschaffende wie Lechuga, The Fugee Projekt, Les Casquettes, Elly Alberi, das Bob Dylan Art Projekt, Yup Thorn sowie eine szenische Lesung in Zusammenarbeit mit IdZMR, HLTM und den OMAS gegen Rechts machten den Tag zu einem lebendigen Erlebnis. Mit diesem Aktionstag haben wir gezeigt: Marburg steht zusammen. Wir sind stark, wir sind wachsam und wir fordern, dass unsere Demokratie geschützt bleibt. Wir danken allen, die diesen Tag möglich gemacht haben – für ihr Engagement, ihre Kreativität und ihren Mut, gemeinsam ein deutliches Zeichen zu setzen.
